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Das Quartier der Zukunft: Grün, smart, lebenswert

Die Immobilienwirtschaft baut mit an den Quartieren der Zukunft: Sie sind nachhaltig, effizient und intelligent vernetzt. Ziel ist nicht nur der Klimaschutz – sondern auch ein verantwortungsbewusstes, lebenswertes Miteinander in den Städten. 

    

Die Eislaufhalle am Stadtwald, der Kindergarten um die Ecke, das Hotel im Ortskern, der Park vor dem Büro: Quartiere sind viel mehr als die Summe ihrer Gebäude. Sie sind lebendige Orte der Begegnung und damit so vielfältig wie ihre Bewohner und Nutzer. Das wird auch so bleiben. Die Ansprüche an attraktive und lebenswerte Quartiere haben sich jedoch verändert und tun es weiter – weil Menschen heute länger und anders leben als früher, weil Deutschlands Städte bis 2050 klimaneutral werden sollen. Und weil auch die Corona-Pandemie zum Wandel beigetragen hat – das Home-Office wird für viele zum neuen Arbeitsstandard und manche Innenstadt dürfte sich nach Leerständen neu erfinden müssen.

Der Immobilienwirtschaft kommt hier eine Schlüsselrolle zu: Sie plant, baut, betreibt, pflegt und modernisiert nicht nur einzelne Gebäude oder Gebäudekomplexe, sondern nimmt die Entwicklung ganzer Viertel in den Blick. Und zwar sowohl, was deren Energiebilanz als auch die Lebensqualität angeht. 

   

Der Quartiersansatz: Erneuerbare Energie – auch für den Nachbarn

Ob Wohnhaus oder Supermarkt – jedes Gebäude im Quartier verbraucht Energie. Je mehr Energie aus erneuerbaren Quellen stammt, desto besser. Die Unternehmen der Immobilienwirtschaft wissen: Um CO2 im großen Stil zu sparen, müssen Politik und Wirtschaft bei der Optimierung der Energieeffizienz Quartiere noch stärker in den Fokus nehmen. Bisher richtet sich der Blick hier vor allem auf die Energiebilanz einzelner Gebäude. Ein Beispiel: In Mieterstrom-Projekten produzieren Photovoltaik-Anlagen auf dem Hausdach Strom, den der Gebäudeeigentümer vergünstigt an seine Mieter weiterverkauft – und nur an diese. Der überschüssige Strom wird ins allgemeine Netz eingespeist. Theoretisch und praktisch können Gebäude und deren Energieversorgung aber so gebaut und ausgestaltet werden, dass überschüssige Energie innerhalb eines Quartiers dorthin weitergeleitet wird, wo sie gerade gebraucht wird. 

   

Zeitgemäße Quartiersentwicklung ist eine Herausforderung, die nur gemeinsam gemeistert werden kann: Sie braucht ein Zusammenspiel der unterschiedlichen Akteure der öffentlichen Hand, der Unternehmen, Intermediäre sowie der Bürgerinnen und Bürger in den Quartieren.“

Dr. Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses ZIA 

    

Beim sogenannten Quartiersansatz vereinbaren Bauherren oder Gebäude-Eigentümer eine gemeinsame Energie-Infrastruktur und -versorgung, an der alle Akteure nach ihren individuellen Möglichkeiten mitwirken. Das bedeutet zum Beispiel, dass eine Photovoltaik-Anlage errichtet wird, die ein ganzes Viertel mit Energie versorgt. Der Quartiersansatz führt auch dazu, dass es sich lohnt, auf Technologien zu setzen, die sich in erster Linie für die Energie- oder Wärmeversorgung mehrerer Gebäude eignen – wie beispielsweise Blockheizkraftwerke. Fest steht: Im Quartier der Zukunft müssen gebäudeübergreifende, dezentrale Wärme- und Energieversorgungslösungen aus erneuerbaren Quellen eine wichtige Rolle spielen.

    

Die Sektorkopplung: Strom, Wärme und Mobilität clever verknüpfen

Im Zusammenhang mit dem Quartiersansatz entfaltet auch die sogenannte Sektorkopplung gigantisches Potenzial:  Energie, die im Quartier erzeugt wird, lässt sich nicht nur in Form von Strom für Gebäude einsetzen, sondern kann auch zur Wärme- und Kälteerzeugung verwendet werden, beispielsweise mithilfe von Wärmepumpen. Diese und andere Technologien, die Strom in Wärme umwandeln, kommen immer häufiger zum Einsatz. 

Auch im Bereich Verkehr hat diese sektorenübergreifende Vernetzung Zukunft. Selbst wenn sich das Verkehrsaufkommen insbesondere in den Städten sicher reduzieren lässt – ganz ohne Fahrzeuge wird es wohl nicht gehen. Doch es geht umweltfreundlicher als bisher: Gelingt es, ganze Quartiere mit einer Lade-Infrastruktur auszustatten, erfährt der Ausbau der Elektromobilität neuen Schwung. Doppelt effektiv wird das, wenn der Strom aus der Ladesäule dann auch noch komplett aus regenerativen Quellen kommt. Da die dafür notwendige Technik in Gebäuden oder in deren Nähe verbaut wird, kommt der Immobilienwirtschaft hier eine wichtige Rolle zu – aber auch die Automobilindustrie, Batteriehersteller, Netzbetreiber und Stromversorgersind gefordert, einen Beitrag zu leisten. 

    

Die Digitalisierung: Mehr Effizienz – und mehr Kommunikation

Die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten der Digitalisierung können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, CO2-Neutralität zu erreichen. Dafür braucht das Quartier der Zukunft aber auch die technische Infrastruktur: Dazu gehören beispielsweise ausgebaute Gigabit-Netze und Sensoren zur Datenerfassung und -produktion. 

Im Gebäudesektor ermöglichen sie Lösungen, die Wohnen und Arbeiten komfortabler und klimafreundlicher machen. Das Stichwort hier lautet „Smart Home“: Davon spricht man, wenn beispielsweise die Heizung via App gesteuert wird, die Rollläden je nach Sonneneinstrahlung hoch- oder herunterfahren oder ein „intelligenter“ Stromzähler den Verbrauch automatisch an den Dienstleister übermittelt. 

Solche innovativen Anwendungen, die Gebäudetechnik, Verwaltung und Mieter eines Hauses miteinander vernetzen, haben noch einen anderen, häufig unterschätzten Vorteil: Sie erleichtern die Kommunikation von Menschen weit über technische Fragen hinaus. Fällt beispielsweise ein Aufzug aus, werden alle Bewohner eines Hauses per Push-Nachricht informiert – und können sich gegenseitig helfen: Der Bewohner, der immer die Treppe nimmt und von der technischen Panne nichts bemerkt hätte, kann seiner älteren Nachbarin anbieten, die Post mit hochzubringen. Damit trägt die Digitalisierung nicht zuletzt dazu bei, das Nachbarschaftsgefühl im Quartier zu stärken. Denn auch in Zukunft kommt es auf das Miteinander an.

   

ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e.V.